hafenwgbleibt

Über uns

Frühjahr 2013

NEUANFANG

Hallo!

Es gibt große Neuigkeiten von der Hafen_WG, dem sympathischen FrauenLesbenKinderWohnprojekt eures Vertrauens in Köln Mülheim.

Wir haben den ersten und letzten Prozesstermin gegen unseren Vermieter Hamacher schon hinter uns. Die schlechte Nachricht: Wir müssen Ende des Jahres ausziehen. Die gute Nachricht: Es hat geholfen Druck aufzubauen; wir nehmen nun einen Haufen Geld mit, den wir in unser neues Wohnprojekt stecken können. Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, ergab sich aber aus den folgenden Überlegungen: Früher oder später hätten wir das Haus in jedem Fall verlassen müssen, da im städtischen Projekt „Mülheim 2020“ Wohnen nicht vorgesehen ist. Zudem mussten wir die Notbremse ziehen, da das Projekt inklusive Prozess, Mängeln, Kampagne und allem drum und dran zu viele Ressourcen geschluckt hat; nicht unser Leben stand im Mittelpunkt, sondern die ständige Repression. Ein Konzept von Community Solidarity, die wir mit unserer Kampagne in Köln etablieren wollten, hat nicht wirklich gegriffen – die Unterstützung der Szene war nicht die, die wir gebraucht hätten, um uns nicht kaputt zu machen. Wir fragen uns im Zuge dessen auch, inwiefern Alltagskämpfe und gegenseitige Unterstützung bei diesen im politischen Bewusstsein und Praxis der Kölner Szene angekommen sind; wir sehen hier noch einigen Aufholbedarf und möchten das Thema Community Solidarity weiterhin thematisieren. Weiterhin fragen wir uns auch, inwiefern die männliche Dominanz der Kölner Szene dazu geführt haben könnte, dass uns nicht gerade von Unterstützer*Innen die Tür eingerannt wurde. Explizite Nicht-Unterstützung haben wir z.B. vom Baukollektiv erfahren, die ihre Unterstützung zurückgezogen haben, nachdem Teile von ihnen für ihren Sexismus von uns kritisiert wurden. Dass das Private politisch ist scheint dort noch nicht angekommen zu sein, im Gegenteil erfuhren wir Repression weil wir uns gegen Sexismus gewehrt und parteilich mit Betroffenen waren. Auch einige unsere Ex-Mitbewohner (nicht *innen) (für die wir außerdem natürlich die Orga-Arbeiten machen mussten) machten uns das Leben schwer, sabotierten uns und setzten uns einem ständigen psychischem Stress aus. Da haben wir lieber einen Haufen Geld und bauen uns ein sicheres Projekt auf, in dem wir bestimmen, mit was wir uns beschäftigen und nicht irgendwelche Arschlöcher.

An dieser Stelle aber nochmal ein riesiges Danke an die Unterstützung, die wir dennoch erfahren (haben)! We love you!

Unsere Kampagne ist hier aber noch nicht zu Ende. Wir wollen weiterhin die (innerlinke) Debatte um Stadtteilpolitik und Gentrifizierung aufrecht erhalten und auf die Scheiße aufmerksam machen, die hier im Gebiet von Mülheim 2020 passiert – wir werden dazu auch unseren Blog weiterhin aktualisieren.. Wir möchten dazu beitragen, dass Community Solidarity ein Thema in Köln wird und uns dabei auch unserer Verantwortung als Gentrifizierungsagentin als linkes Projekt stellen. Auch wenn wir wegziehen lehnen wir immer noch ab, dass Stadtteilaufwertung durch die Verdrängung von Leuten passiert, die sich nicht mal eben so ein neues Loft leisten können. Dagegen werden wir uns wehren. Selbst der KHV / Hamachers sollte klar werden, dass ein Angriff auf einige ein Angriff auf uns alle ist, seid also kreativ und wehrt euch!

Unsere Ideen sind aber nicht an dieses Haus gebunden – wir stecken unsere Energien nun in etwas eigenes, nicht mehr in Vermieter oder sabotierende Mitbewohner oder Gammelhäuser. Als Mitbewohnerinnen haben wir uns nun endlich gefunden, es passt alles perfekt und das wollen wir weiter tragen; in ein kollektives Leben (und Arbeiten). Wir haben Lust unser Projekt zu vergrößern und mehr Heterogenität zu schaffen. In unserem Zusammenleben wollen wir u.a. race, class, gender, ageism und ableism berücksichtigen und uns mit den Ambivalenzen dessen beschäftigen. Jenseits von bürgerlichen Kleinfamilienkonstrukten sollen auch Kinder eine Rolle hier spielen.

Es geht uns jedoch nicht nur um uns selber, sondern auch darum, aktiv am Stadtteilgeschehen teilhaben zu können, Interventionen zu machen, mitzugestalten und nicht zuletzt auch sichere linke Strukturen zu schaffen. Wir sehen das politische Ziel unseres Projekts nicht im Selbstzweck, obwohl dieser auch Teil unserer Utopie ist.

Die Haussuche läuft auf Hochtouren, bald gründen wir einen Verein, einen Teil des nötigen Eigenkapitals haben wir bereits – ihr könnt uns jetzt unterstützen, indem ihr

  • uns Direktkredite gibt! (Was Direktkredite sind, könnt ihr hier lesen.)
  • uns Häuser empfehlt!

Mehr zu dem was wir brauchen auch immer aktualisiert auf unserem Blog.

hafenwgbleibt.wordpress.com

Hafen WG Bleibt – in den Köpfen!

 

 

Herbst 2012

WER WIR SIND UND WAS WIR WOLLEN

Was ist hier los?

Seit einigen Jahren wohnen wir  im historischen Industriegebiet am Mülheimer Hafen. Anfangs waren die Besitzer froh, dass jemand Miete für das Objekt zahlen will, mittlerweile hat sich aber einiges geändert: 2008/2009 wurde ein großes Areal der (ehemaligen) Industriegebäude der Hafenstraße aufgekauft, renoviert und aufgewertet. Neben Ateliers, Werkstätten und Proberäumen entstehen immer mehr Geschäfte und Veranstaltungsorte für gut Betuchte. Außerdem gibt es Stadtplanungen: Im Konzept “Mülheim 2020” ist vorgesehen, eine Rheinpromenade am Mülheimer Hafen zu bauen – es ändert sich also nach und nach einiges in dieser Gegend.

Gentrifizierung am Mülheimer Hafen

Seit 2009 haben sich immer mehr Probleme eingestellt: Mängel werden nicht beseitigt und es gibt Konflikte um die Stromversorgung, die vom Vermieter gestellt wird. . Außerdem weigert sich der Vermieter, neue Mitbewohner*Innen in den Mietvertrag aufzunehmen, obwohl wir Anrecht darauf haben. Einschüchterungsaktionen waren z.B., dass uns einfach der Strom (und damit auch unsere  Heizung im Winter) abgestellt wurde und nun aktuell verklagt uns der Vermieter: Wir sollen sehr viel Geld zahlen und das Haus räumen. Nun reicht es auch uns: Wir wollen uns nichts mehr gefallen lassen! Wir haben in unserem Leben genug zu tun, als uns ständig mit Hausverwaltung und Vermieter auseinander zu setzen! Es kann nicht sein, ständig alles schlucken zu müssen – es reicht! Wir wollen unsere Auseinandersetzungen nicht weiter verborgen im Privaten führen, sondern politisch und damit öffentlich machen. Denn ganz davon abgesehen, dass wir uns gegen die zweifelhaften Methoden des Vermieters wehren wollen, geht es uns auch um eine politische Mobilisierung, die Gentrifizierung thematisieren und soziale Kämpfe gegen eine solche anstoßen soll – unabhängig davon, was das bürgerliche Gesetzbuch dazu sagt. In Köln steigen seit Jahren die Mietpreise, Wohnraum ist knapp und “alternative” Wohnprojekte sind ständig bedroht. Auch in Mülheim, gerne als “sozialer Brennpunkt” bezeichnet, ist ein Gentrifizierungsprozess zu beobachten: Wohnraum wird zunehmend teurer, damit werden ärmere Menschen immer weiter an den Stadtrand verdrängt. Aufwertung findet z.B. durch den Bau schicker Eigentumswohnungen (siehe Hafenstraße / Am Pulverturm) statt. Weitere Lofts und Ateliers sind in der Hafenstraße in Planung. In diesen Prozess wollen wir eingreifen und Gentrifizierung von unten betreiben indem wir uns mit unseren Nachbar*Innen zusammenschließen! Denn gegen eine schöne Wohngegend haben wir nichts, aber bitte von und für die  Bewohner*Innen.

Wer wir sind: Wohnprojekt Hafen_WG

In der Hafen_WG wollen wir unabhängig von Alter und “Lebensphase” kollektiv und solidarisch miteinander leben. Es geht uns dabei nicht nur darum, ein Gegenmodell zu dem in unserer Gesellschaft dominanten Vater-Mutter-Kind-Schema möglich zu machen und uns kein bürgerliches Leben aufzwingen zu lassen. Zudem versuchen wir, einige unserer politischen Ideen in unseren Alltag einzubringen: Wir kollektivieren bestimmte, wenn auch nicht alle Teile unseres Lebens / unserer Finanzen und  reflektieren, wie sich gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse auf unser Zusammenleben auswirken. Auf einem  regelmäßigen Plenum mit Konsensprinzip, besprechen und reflektieren wir, um das alles zu organisieren  Einkaufen und Kochen machen wir gemeinsam, ebenso wie werkeln, renovieren etc. Dass wir damit nicht direkt eine Revolution starten werden, ist uns dabei klar. Ohne bürgerliche Lebenskonzepte kritisch zu hinterfragen und mit anderen Konzepten zu experimentieren,geht es aber auch nicht.

Darum: Hafen WG bleibt!

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